Atelierzeit

It is therefore only in the studio that the work may be said to belong.
— Daniel Buren: The Function of the Studio.

16. NÖ Tage der Offenen Ateliers

Hier ist die Gelegenheit für alle, die mich schon lang besuchen wollten. Und auch für jene, die das bisher noch nicht vorhatten: Es gibt viele neue Arbeiten zu sehen. Ich freue mich auf Besuch!

Samstag, 20. Oktober und Sonntag, 21. Oktober 2018   -   14 bis 18 Uhr

Adresse: Hauptstraße 14, 3443 Elsbach


Ein paar Gedanken zum Atelier|Garten
Das Atelier als Produktionsstätte der Kunst steht immer wieder im Fokus von Aktionen, die im Mythos der prachtvollen oder auch ärmlichen, jedenfalls aber sagenumwobenen Ateliers des 19. Jahrhunderts verwurzelt sind.

Mich interessieren weder aktuelle Entwicklungen, die ein Atelier obsolet machen, es auf Computer oder anderes technisches Gerät reduzieren, mobil machen oder auch, ganz im Gegenteil, zu fabrikhaften Produktiosstätten und Thinktanks machen. Mich interessiert die intensive, oft jahrelange Arbeit eines Künstlers an einem Ort: Arbeit, die den Ort formt, die Arbeitsstätte, Lebensraum und Werk unentwirrbar miteinander verschmelzen lässt. Werk, Raum und Künstler sind 'site-specific', sie bilden eine miteinander wachsende, ausgreifende Einheit. Die dort entstehenden Arbeiten bleiben mit dem Ort verbunden, sind radikal im ursprünglichen Sinn, verwurzelt und auf diese Wurzeln verweisend, gleichgültig wo im Kunstbetriebsgetümmel sie sich befinden. Exiliert bleiben sie site-specific - woanders.

Diese Werk-Räume sind autonom, nicht im Sinne transportabler Vermarktung, sondern als selbständige Entitäten. Einzelne Arbeiten finden zu einem Gefüge zusammen, veränderlich, ohne perfekte Oberflächen anzustreben, erreichen sie eine Dichte, die an anderen Orten undenkbar erscheint. Sie bleiben als Werk unvollendet, die Arbeit endet zumeist mit dem Tod des Künstlers, oder durch äußere Zwänge wie Flucht und Zerstörung im Fall von Schwitters Merzbau in Hannover. Der Künstler bleibt abwesend anwesend. Monet, Finlay, Jarman, Kolig, Wenger, Zittel und einige mehr haben solche Räume geschaffen und tun es noch. Jeder dieser Werk-Räume hat ein unterschiedliches Profil, kein theoretischer Hintergrund verbindet sie. Manche, aber nicht alle sind verbunden mit Gärten, wenn auch der Außenraum bei den meisten eine tragende Rolle spielt. Das Oszillieren zwischen Innen- und Aussenraum, das Miteinbeziehen von Landschaft, Landwirtschaft, Immobilienmarkt, Steuerrecht, Religion, Verkehr oder Energieversorgung bringt zusätzliche, oft aber übersehene oder gern verschwiegene Aspekte.

Das Atelier ist mehr oder weniger mit Kunstwerken gefüllt und leert sich immer dann, wenn Arbeiten in die Galerie wandern. Kunstwerke liegen herum, abgestellt und ignoriert in entlegenen Ecken, sie stapeln sich an einer Wand oder werden mit einer Leichtfertigkeit neu angeordnet, die allein ihrem Schöpfer vorbehalten ist. Wenn an einem Werk gearbeitet wird, werden die anderen Werke, ob vollendet oder unvollendet, in einer Wartezone verwahrt, eines über dem anderen: man könnte dies als Collage komprimierter Zeitformen bezeichnen. Alle befinden sich in unmittelbarer Nähe zu ihrer authentifizierten Quelle, dem Künstler. So lange sie sich in seinem Orbit befinden unterliegen sie der Veränderung und Revision. Sie alle sind somit potenziell unvollendet. Sie existieren – wie das Atelier selbst – im Zeichen eines Prozesses, der wiederum die Natur der Atelierzeit bestimmt, welche sich grundlegend von der geraden, weißen und gegenwärtigen Zeit der Galerie unterscheidet.
— Brian O'Doherty: Atelier und Galerie

Das Atelier ist ein Ort permanenter Veränderung und Revision. Ein Ort des Wachstums. Ein vorläufiger Ort, ein Ort undurchsichtiger Ordnungen, Stapel, Versuche. Ein Garten. Ein Arbeitsraum und ein Ort der Muße, des Denkens, der Auseinandersetzung und des Genusses. Ein Ort für Feste und für Gäste.